Flucht, Fluchthilfe und Gefängnis in der DDR – Kant trifft… Peter Bieber
Am Donnerstag, den 26. Juni 2025, hatten wir die besondere Gelegenheit, den Zeitzeugen Peter Bieber an unserer Schule begrüßen zu dürfen. Eindrucksvoll berichtet er in solchen Veranstaltungen von seinem Leben in der DDR, seiner Flucht, seiner Zeit im Gefängnis und seinen Erfahrungen nach dem Mauerfall, um insbesondere jungen Menschen die Bedeutung von Freiheit und Demokratie näherzubringen.
Bereits ein paar Wochen vor der Veranstaltung begannen wir mit der Planung und Vorbereitung. Wir informierten uns über Peter Biebers Leben und recherchierten die geschichtlichen Hintergründe der DDR. Im Vorfeld standen wir in engem Austausch mit Herrn Bieber, um gemeinsam einen Ablauf zu gestalten, der sowohl informativ als auch interaktiv sein sollte. Dabei war es uns wichtig, seine Wünsche zu berücksichtigen und ihm gleichzeitig einen Rahmen zu bieten, in dem er offen und persönlich berichten konnte.
Die Veranstaltung begann mit einem kurzen Kahoot-Quiz zum Thema DDR, das als Aufwärmung dienen sollte. Anschließend übernahm Peter Bieber das Wort und erzählte von seiner Kindheit in der DDR, geprägt durch staatliche Kontrolle und Propaganda, sowie seiner Schul- und Studienzeit. Besonders eindrücklich schilderte er, wie die Stasi in den Alltag der Menschen eindrang, Vertrauen zerstörte und Angst unter den Menschen verbreitete.
Ein zentrales Thema seines Vortrags war seine eigene Flucht. Mithilfe von ausgewählten Bildern skizzierte er die Wege, die er genommen hatte, erklärte seine Gedanken und Gefühle währenddessen und machte deutlich, mit welchem Risiko solche Schritte verbunden waren. Noch beeindruckender war, dass er später elf weiteren Menschen zur Flucht verhalf, eine mutige und hilfsbereite Tat, über die er ebenfalls aus seiner Sicht erzählte.
Doch seine Hilfe blieb nicht unbemerkt. Die Stasi verhaftete ihn bei einem Versuch, weiteren Personen bei der Flucht zu helfen. Sehr frei und detailliert berichtete er von seiner Zeit im Gefängnis, von den Zellen, den Verhörmethoden und der psychischen Belastung. Er beschrieb die Verhöre, die er, nach eigener Aussage, als eine Form von psychischer Folter empfand. Durch die detaillierten Schilderungen sowie die Fotos von Zellen, Verhörzimmern und Hofbereich konnten wir uns vorstellen, wie hart diese Zeit für ihn gewesen sein muss.
Zum Schluss sprach Herr Bieber über seine Gedanken und Gefühle rund um den Mauerfall. Für ihn war es ein Moment tiefer Erleichterung, Hoffnung und Freude, aber auch Nachdenklichkeit über all das, was viele Menschen bis dahin erleiden mussten.
Die Veranstaltung war insgesamt sehr informativ, aber auch emotional, vor allem für Herrn Bieber. Sie ermöglichte uns einen authentischen Einblick in ein Leben unter einem Regime, das Freiheit unterdrückte. Viele Schülerinnen und Schüler zeigten sich interessiert und stellten im Nachhinein noch weitere Fragen, die er auch ausführlich und detailliert beantwortete. Das zeigt, wie hilfreich solche Begegnungen mit Zeitzeugen für das historische Verständnis junger Menschen sind.
Wir danken Peter Bieber herzlich für seinen Besuch und seine Zeit, uns über sein früheres Leben zu berichten und seine Geschichte mit uns zu teilen.
J. Waschke
D. Lindemann
P.S.: Herr Bieber war im Nachgang der Veranstaltung noch sehr interessiert an den unbeantworteten Fragen, die der Grundkurs PW vorbereitet hatte. Er hat sie zu Hause kurz schriftlich beantwortet. Die Datei findet ihr hier.
Außerdem hat er uns auch sein Buch geschenkt. Es heißt „Glasbausteine in Beton“ und erzählt viele weitere spannende Geschichten rund um seine Biographie. Wer Interesse hat, mal in diesem Buch zu stöbern, meldet sich gerne bei Herrn Lindemann.



Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.
Immanuel Kant